Welche Größe sollte der Kaninchenstall haben?

 

Kein Kaninchenstall ist groß genug.

Grundsätzlich ist es meiner Ansicht nach nicht möglich, den Kaninchen durch Stallhaltung eine artgerechte Lebensweise zu ermöglichen, die deren natürlicher Lebensweise auch nur nahe kommt. Rennen, Springen, Hacken schlagen und auch das Höhlen buddeln ist im Kaninchenstall nicht möglich. Die reine Stallhaltung für Kaninchen ist immer ein Kompromiss und bedeutet für die Tiere große Einbußen an Lebensqualität.

Natürliche Bewegung ist unter anderem wichtig für den gesunden Skelettaufbau - besonders der Wirbelsäule. Wenn die Kaninchen dauerhaft in ihrem natürlichen Bewegungsverhalten gehindert werden, kann das die Körperfunktionen stören und zu Schäden führen.

Dies gilt ganz besonders für einen Kaninchenkäfig. Die im Handel erhältlichen Kaninchenkäfige sind in der Regel alle viel zu klein für die Kaninchen, um auch nur ansatzweise ihre natürlichen Bewegungsmuster auszuführen.

 

Ein Freilaufgehege als Lebensraum-Erweiterung

Wenn es irgendwie machbar ist, so sollte man den Kaninchen den Auslauf in einem Freilaufgehege ermöglichen. Das Freilaufgehege kann dazu häufig leicht direkt mit dem Kaninchenstall verbunden werden.

 

Das sollte im Kaninchenstall möglich sein:

Als Vorgaben oder Orientierungshilfe werden häufig folgende Grundsätze für die Mindest-Größe eines Kaninchenstalls verwendet. Um eine natürliche Bewegung der Kaninchen zumindest in den absoluten Grundformen zu ermöglichen, sollten die ausgewachsenen Tiere im Kaninchenstall folgendes können:

  • Die Kaninchen können drei zusammenhängende Hoppelsprünge und auch Kapriolen machen.
  • Sie können lang ausgestreckt liegen ohne irgendwo anzustoßen (gilt auch für Schlafhäuser).
  • Sie können mit hoch aufgerichteten Ohren aufrecht sitzen oder Männchen machen ohne anzustoßen.

Gerade kleine Kaninchen-Rassen (Zwerge) brauchen besonders viel Platz, da sie im Vergleich zu den größeren Rassen bewegungsfreudiger sind.

 

Richtmaße

Auch für die empfohlene Mindestgröße findet man unterschiedliche Daten. Das hängt davon ab, von wem die Empfehlungen sind und an wen sie gerichtet sind. Vor allem gibt es Unterschiede bezüglich der Heimtierhaltung (aus reiner Liebhaberei) und der Nutztierhaltung (zur wirtschaftlichen Fleischverwertung). Dabei wird auch nach Größe (Gewicht bzw. Länge) der Kaninchen unterschieden. Zur groben Orientierung seien hier im Folgenden zwei Beispiele gegeben.

 

Die Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT)

Von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT) werden zum Beispiel im Merkblatt 78 (2009) zur herkömmlichen, intensiven Kaninchenhaltung folgende Mindestanforderungen zur Einzeltierhaltung angegeben
(B x T x H):

  • Große Rassen (größer als 5,5kg): 110cm x 80cm x 70cm,
  • mittelgroße Rassen (größer als 3,25kg): 85cm x 80cm x 60cm,
  • kleine Rassen (größer als 2,0kg): 70cm x 75cm x 60cm,
  • Zwergrassen (kleiner als 2,0kg): 65cm x 70cm x 50cm,

Die Höhe muss dabei auf 70% der Grundfläche vorhanden sein.

 

Der Landesbeirat für Tierschutz Baden-Württemberg

Im Merkblatt zur Haltung von Kaninchen als Heimtiere (2005) vom Landesbeirat für Tierschutz Baden-Württemberg werden folgende Mindestkäfiggrößen für 2 Kaninchen angegeben (B x T x H):

  • Körperlänge größer als 40cm: 150cm x 80cm x 60cm,
  • Körperlänge kleiner als 40cm: 120cm x 60cm x 50cm.

 

Wer bietet mehr?

Die Website www.wackelnasen.net geht hier allerdings noch viel weiter und empfiehlt zum Wohle der Tiere:
"Kaninchen brauchen pro Tier zwei Quadratmeter plus täglichem Auslauf."

Erfreulicherweise entsteht unter den Kaninchenhaltern immer mehr ein Bewusstsein dafür, dass die Tiere auf echten Auslauf angewiesen sind.

Also noch einmal: Ein großer Kaninchenstall ist schon einmal ganz gut. Es sollte dennoch immer eine zusätzliche Auslaufmöglichkeit wie zum Beispiel ein Freilaufgehege zur Verfügung gestellt werden.

 

Lieber breit als tief

Um die Grundfläche des Stallbereichs möglichst groß zu halten, sollte man hier lieber in die Breite gehen anstatt in die Tiefe. Im Gegensatz zur Breite sind der Buchtentiefe Grenzen gesetzt. Zu tiefe Buchten haben mehrere Nachteile:

  • Die Einsicht von außen in die hinteren Stallbereiche ist verschlechtert.
  • Man gelangt nicht mehr so gut in die hinteren Stallbereiche, um dort zu reinigen oder die Kaninchen herauszunehmen.
  • Die natürliche Helligkeit im Kaninchenstall ist gemindert.

Bewährt hat sich eine Buchtentiefe von 50cm-60cm. Dabei spielt die Größe des Kaninchenhalters auch eine Rolle. Ab 70cm wird es in der Regel unpraktisch. Größere Buchtentiefen gibt es häufig in der Massenhaltung, um möglichst viele Buchten zu Einzelhaltung auf engem Raum zu ermöglichen.

Bei besonders breiten und schlanken Ställen kann man ein Zwischenbrett oder Trennbrett installieren, über das die Kaninchen hopsen müssen, um in die andere Stallhälfte zu gelangen.

 

Ein Ruhebrett vergrößert die Grundfläche

Wenn ein Ruhebrett in sinnvoller Höhe (20cm) angebracht ist, erweitert man dadurch die Grundfläche des Lebensraums der Kaninchen um die Fläche dieses Ruhebretts. Mehr dazu im Kapitel Ruhebrett.